Mehr als nur ein Blockflötentag im Ibach-Haus:

Flautando Köln, das quicklebendige Quartett der vier jungen Frauen, musiziert dieses Mal im Verein mit continuierenden Freunden und bringt damit eine nur selten gehörte Klangstimmung zu Gehör – etwa in den so atemberaubenden wie viel zu wenig bekannten Konzerten für vier Blockflöten des Hamburger Telemann-Zeitgenossen Johann Christian Schickhardt, in denen das klug gesetzte Continuo den Orchesterpart markiert und das „concertare“, das Zusammenspielen, wirklich zum großräumig Konzertanten erweitert.
Weil gerade Schickhardt – wie vielleicht nur noch Vivaldi – kammermusikalische Intimität und orchestralen Glanz federleicht ineins setzt, lag es nahe, seine Concerti für vier Blockflöten auf immer der Vergessenheit zu entreißen. Auf immer – das heißt heute natürlich: in Form einer beliebig reproduzierbaren Tonkonserve. Flautando Köln konnte und wollte der Versuchung nicht widerstehen, die erste Gesamtaufnahme dieser vitalen Konzerte zu wagen, und so entstand erst kürzlich die CD, deren Repertoirewert nicht hoch genug anzusetzen ist und die anläßlich des Schwelmer Konzertes vorgestellt werden soll.

Ein barockes Quartett in 392 Hertz

Vorgestellt und eingesetzt werden vor allem auch Blockflöten ganz einzigartiger Bauweise: Ralf Ehlert, dessen Produktion seit einigen Jahren Maßstäbe setzt, hat sich von dem in Chester liegenden Blockflöten-Satz des Peter Bressan dazu inspirieren lassen, selbst ein ähnliches Quartett zu bauen: ein mutiges Unterfangen, denn der eher solistische Klangcharakter des spätbarocken Blockflötentypus widersteht dem Verschmelzungserfordernis innerhalb eines Consorts.Zwar wissen wir nicht genau, für welche Musik ein zeitgenössischer Satz von aufeinander abgestimmten Blockflöten verschiedener Stimmlage, ein gängiges „Instrument“ der Spätrenaissance, im Barock genutzt wurde, doch die

Existenz des Bressan-Consorts belegt eine Verwendungsweise, die – will man wirklich in die vielfältigen Facetten barocker Klanglichkeit eintauchen – hypothetisch ergründet und vor allem ästhetisch erlebt sein will. Ralf Ehlerts innovativer Bau zwischen Re- und Neukonstruktion macht dies erstmalig möglich: Während Bressans Stimmton bei etwa 404 Hz liegt, wählte Ehlert aus Gründen der Warmtönigkeit und Fülle die untere Grenze des damaligen noch nicht normierten Spektrums, wie sie besonders in Frankreich gepflegt wurde: 392 Hz. So läßt er uns mit seinem Quartett daran teilhaben, den im Vergleich zum Renaissance-Consort eher schlank-adeligen oder fragil-individuellen Barockflötenton als gesellschaftsfähigen, nämlich zusammen mit anderen Stimmen im klanghomogenen Consort, neu zu entdecken. Natürlich baut Ralf Ehlert „authentische” Instrumente: ganz im Geiste der historischen Bauweise, die es ja nicht einfach „gibt”, sondern die damals wie heute eine Potenz ist, ein Appell, dem Ehlert – wie nur wenige – produktivsten Ausdruck verleiht.

Es ist ein Glück, daß die Stifung Kunst und Kultur in Nordrhein-Westfalen den Musikerinnen von Flautando Köln diese wunderbaren Instrumente – und darüber hinaus auch einen Altblockflötensatz von Ralf Ehlert in ebenfalls 392 Hz – als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt, denn Instrumente sind ja nur als gespielte und gehörte sie selbst.


15.00

  Was es mit der „flauto dolce” auf sich hat,
mit Karsten Erik Ose

   

Rund um die Blockflöte – das wäre zu salopp formuliert für das, was Karsten Erik Ose, der junge, scheinbar dem Barock entsprungene Musikologe und Flötist, anzudeuten, auszuführen und zu illustrieren weiß. Der historische Blick auf die überlieferten Modelle, die benutzten Stimmungen, überhaupt auf die wohl wechselseitige Beeinflussung ästhetischer Ansprüche und instrumentenbaulicher Entscheidungen zur Hochblüte der Blockflöte ist es, den Ose – gerade auch aus Anlaß der Präsentation von Ehlerts barockem Consort in der Nachfolge Bressans – uns nahebringen will als die Bedingung der Möglichkeit, über die Blockflöte relevant nachzudenken. Wer seinen Vortrag zu Fragen der historischen Aufführungspraxis vor einem Jahr an gleicher Stelle miterlebt hat, der weiß um Oses Fähigkeit, wirkliche Gelehrsamkeit anschaulich, unterhaltend und informativ auszubreiten.



16.30   Konzert: Flautando Köln & Co.

    Konzertantes,„Consortantes” –
spritzig, witzig, mit Seele und
in 392 Hertz: Vier Blockflöten

 

    unterhalten sich miteinander,
wechseln die Kleider, treffen
sich mit cembalo- und cello-
lierenden Freunden, erzählen,
singen, lachen, grübeln ...


12.00 - 15.00

  Blockflötenklinik, mit Ralf Ehlert

  Ralf Ehlert, ist sicherlich der meistbeschäftigte Blockflötenbauer Deutschlands – arbeitet er doch als innovativer Ideengeber bzw. -ausführer an ganz zentraler Stelle bei der Firma Moeck und schafft es darüber hinaus, in eigener Produktion eine der begehrtesten Kollektionen handgefertigter Einzelstücke anzubieten. Diese Verbindung von Alltagsarbeit im großen Betrieb und Perfektion in Eigenverantwortung prädestiniert ihn geradezu für den schnellen, sicheren Blick auf das, was an einer Blockflöte wiederherzustellen oder zu verbessern ist.

Ralf Ehlert repariert heute für die Konzertbesucher, was immer ihm unter die Finger kommt. Darüber hinaus steht er mitgebrachten Fragen Rede und Antwort im individuellen Gespräch.

 
Start • 2001/2002 • Flautando Köln & Co. am 03.11.2001
 
 
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