Maurice Steger ist unzweifelhaft der Extremkünstler an den Spiel-, Ton- und Ausdrucksgrenzen der Blockflöte: Hingabewillig wie nur wenige, lässt er die Musik als gelebten, als aufregend pulsierenden Augenblick erstehen, indem er das Korsett vorgängiger Notation geradezu aufsprengt zu sinnlich lebendiger Aktualität. Dass Musik eben mehr ist als die geduldige Entfaltung des im Text Gemeinten, dass ein nicht ableitbarer spontan-imaginativer Zugriff sie überhaupt erst zu dem macht, was sie wirklich ist – in Stegers Kunst erleben wir diese Selbstverständlichkeit neu: Sein Spiel ist nichts weniger als nur vordergründig spektakulär, sondern verschreibt sich einem unbedingten Gestaltungspathos in der Nachfolge Harnoncourts.

In Naoki Kitaya fand Maurice Steger schon vor über 10 Jahren den idealen Partner, der mit seinem anschmiegsamen Klangsinn Stegers Inspirationen stützt, ergänzt oder im reaktionsschnellen Dialog auch vollendet. Kenner werden es sicherlich zu schätzen wissen, daß Kitayas Kunst sich auf einem zweimanualigen Couchet frei entfalten wird: dem exquisiten Nachbau Burkhard Zanders, der sein Instrument vor und während des Konzerts betreuen wird.

Mit freundlicher Unterstützung von Ralf Ehlert

10.30 - 13.30

  Ensemble-Workshop
mit Susanne Hochscheid
Natürlich denkt man bei Susanne Hochscheid sofort an „Flautando Köln“, das deutsche Blockflötenquartett mit Esprit auf höchstem Niveau – eine qualitätssichernde Assoziation übrigens, denn nur wenige Lehrer verfügen über einen ähnlichen Riesenfundus an Ensemble-Erfahrungen wie Susanne. Ihr Unterrichten ist eine lebendige und immer anregende Angelegenheit, denn sie versteht sich auf die Kunst, die Ansprüche der Sache mit den jeweiligen Voraussetzungen ihrer Kursteilnehmer auf unangestrengt-animierende Weise zu vermitteln.

Im Anschluss an ein etwa halbstündiges „warming up” mit Consort- Einspielübungen für alle aktiv Beteiligten arbeitet Susanne mit den einzelnen Blockflöten-Ensembles an gruppenspezifischen Problemstellungen oder konkreten Details ausgewählter Literatur.

Eingeladen sind Blockflötengruppen aller Art: vom Laienspielkreis über das Musikschulquartett bis hin zur Hochschulformation.

Teilnahme (aktiv): 5 Ensembles (vom Duo bis zum Sextett)

aktiv: (pro Esemble): 60,- €
passiv: 10,- €

Anmeldeschluss 13. März

11.00 - 13.30

  Spiel und Improvisation mit Kindern, mit Nadja Schubert
Nadja Schuberts Kurse oder Workshops sind bekannt dafür, dass die Unsicherheiten der teilnehmenden „beginners” sich in kürzester Zeit zu aktivem Mittun verwandeln. Kein Wunder – versteht es Nadja doch in ihrer erfrischend unmittelbaren Art, jeden genau da abzuholen, wo er steht, und die gemeinsame Arbeit zu einer selten produktiven Mischung aus Konzentration und Riesenspaß werden zu lassen.
  Vor kurzem hat sich Nadja Schubert, die Jazz-Blockflötistin schlechthin, einen lang gehegten Traum erfüllt: Sie gründete in Köln ihre eigene Musikschule – und was liegt näher, als die Früchte intensiver und belebender Erfahrungen mit Kindern im Ibach-Haus zu ernten und an andere weiterzugeben!

Im Vordergrund stehen dabei das Spiel ohne Noten, die Lust am Experimentieren oder auch der Mut zu eigenen musikalischen Ideen. Nadja führt nämlich die mitmachenden Kinder an ein Improvisieren heran, das nicht in Anfangsimpulsen steckenbleibt, sondern strukturierte Räume öffnet für das, was Kinder ohnehin mitbringen: Spontaneität, melodische Fantasie und die Bereitschaft, sich von anderen oder von Musik anstecken zu lassen. Aus den Improvisationen heraus wird abschließend ein gemeinsames Stück entwickelt, das dann im Konzertraum zu Gehör gebracht wird.

 

aktiv (Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, die mit der Sopran- oder der Altblockflöte
sicher umgehen können): 20,- €

passiv (Eltern, Lehrer, begleitende Erwachsene): 10,- €

Anmeldeschluss 13. März.
Bitte eigene Instrumente und gute Laune mitbringen!

11.00 - 14.00

  Blockflötenausstellung und Reparaturen vor Ort
mit Ralf Ehlert
   



Ralf Ehlert ist sicherlich der meistbeschäftigte Blockflötenbauer Deutschlands – arbeitet er doch als innovativer Ideengeber bzw. -ausführer an ganz zentraler Stelle bei der Firma Moeck und schafft es darüber hinaus, in eigener Produktion eine der begehrtesten Kollektionen handgefertigter Einzelstücke anzubieten. Diese Verbindung von Alltagsarbeit im großen Betrieb und Perfektion in Eigenverantwortung prädestiniert ihn geradezu für den schnellen, sicheren Blick auf das, was an einer Blockflöte wiederherzustellen oder zu verbessern ist.

Ralf Ehlert bereichert den heutigen Tag mit seinen Blockflöten, seinen Ratschlägen, aber auch mit dem Angebot, Hand anzulegen an vertrackten Reparaturfällen, die ihm von Konzertbesuchern vorgelegt werden.

14.00 - 14.30

  Moecks „Ehlert-Alto” – das Instrument der Zukunft?
Präsentation mit Dorothee Oberlinger und Ralf Ehlert
 

Lässt sich das eigentlich miteinander verbinden – ein in allen Lagen durchsetzungsfähiger Ton mit dem spezifisch zarten Timbre des „flauto dolce”? Nachdem schon vor einiger Zeit die Firma Mollenhauer zusammen mit Nik Tarasov einen langmensurierten Alt vorgelegt hat, dessen eindrucksvolle Klangstärke sich in einer eher traversflötigen oder rauschig-frechen Färbung ausspricht, will Moecks neue Kreation den intimen Charme, also den idiomatischen Charakter der hochbarocken Blockflöte nicht missen, und so entstand in Ralf Ehlerts Ideenwerkstatt ein Instrument, das die Quadratur des Kreises wagt und bereits im Vorfeld seiner öffentlichen Präsenz gerade bei Exponenten der so genannten historischen Aufführungspraxis Zuspruch erfahren hat – etwa bei Peter Holtslag, Maurice Steger, Dorothee Oberlinger.

Was genau hat es mit dieser Holz gewordenen Utopie auf sich? Dorothee Oberlinger und Ralf Ehlert drehen und wenden das Instrument, klopfen es auf seine intendierte Tauglichkeit ab und geben ihm in unterschiedlichen Kontexten Ton und Stimme.

15.00

  Musik in Bildern
Dia-Vortrag von und mit Karsten-Erik Ose
Musik ist uns nicht gegenüber – sie ist Atmosphäre, flüchtiger Klang, der uns durchdringt und wieder verlässt: nicht aufzuhalten, nicht festzuhalten. Daran mag es liegen, dass die Bilder der Musik nicht Abbilder des Erklungenen sind, sondern Sinnbilder – doch Sinnbilder wessen, Symbole für was, für wen?

Nichts ist flüchtiger als Schall und Rauch: und so sind es beispielsweise Chiffren der Musik, die in früheren Zeiten die allumfassende Erfahrung der Vergänglichkeit gleichsam magisch fixierten. Aber auch andere nicht sichtbare Zuständlichkeiten oder Atmosphären wurden von den Malern dem Bildvokabular musikalischer Situationen oder Objekte überantwortet, um sie sinnfällig greifbar, begreifbar zu machen.

So ist es eine Archäologie der visuellen Beschwörung von Musik, die Karsten Erik Ose, der wahrhaft gelehrte und stets pointenreich skizzierende Musikologe, in zwingend ausgewählten Werken der bildenden Kunst vor uns ausbreitet und kommentierend vertieft: ein optisches Erlebnis, das unser Musikverständnis nicht nur bereichert, sondern darüber hinaus ein Plädoyer ist für synästhetische Phänomene der durchaus ungewöhnlichen Art.

16.30

  Konzert:
Maurice Steger, Naoki Kitaya
 

Ein barockes Feuerwerk
im spannungsgeladenen Dialog
zwischen Blockflöte und Cembalo:

Musiktheatralik pur!

 
 
Start • 2003/2004 • 4. Blockflötentag - 20.03.2004
 
 
© Copyright early-music im Ibach-Haus