Zwei Temperamente, ein Puls – Marion Verbruggen und Anneke Boeke, die schon als Kinder in der Musikschule Spiel und Spaß miteinander teilten, pflegen seit tatsächlich 40 Jahren das Blockflötenzwiegespräch in seiner reifsten Form, dem nahtlosen Ineinander zweier dennoch sehr eigener Stimmen. Deren wechselseitigem Geben und Nehmen, Anregen und Antworten zu folgen ist ein Genuß wirklich seltener Art: Beide Musikerinnen kennen einander in einem Maße, daß sie die zweistimmige Struktur zu verlebendigen, zu pointieren vermögen, ohne der Einheit der Komposition, auch des Klanges, Gewalt anzutun. So wird der Hörer ganz mit hineingenommen in den Vollzug der vielleicht anspruchsvollsten musikalischen Besetzung, die keine temporäre Entspannung, keine Unter- oder Überordnung kennt. Solche Kunst ist nicht erlernbar, sie ist entscheidend auch die Frucht der Kontinuität eines gemeinsamen Musizierens, wie es nur wenigen lebensgeschichtlich überhaupt möglich ist.
Dass beide Musikerinnen zwischen ihren Duo-Unterredungen immer wieder und ausgedehnt die eigenen Wege verfolgen – so ist etwa der Name Marion Verbruggen für viele die Inkarnation vital-momenthaften Solospiels schlechthin –, belebt und bereichert die Vertrautheit des gemeinsamen Spiels um Impulse, die jede Interpretation zu etwas unwiederholbar Neuem machen.  
Mit freundlicher Unterstützung von Stephan Blezinger
10.00 - 14.00   Blockflötenaustellung und Reparaturen vor Ort,
mit Stephan Blezinger/Doris Kulossa
 

Dass der deutsche Blockflötenbau im Bereich handgefertigter Einzelstücke seit Mitte der neunziger Jahre ein zuvor ungeahntes Niveau mit überzeugender Professionalität zu verknüpfen weiß, ist ganz wesentlich mit das Verdienst von Stephan Blezinger, dessen Arbeit 1996 mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis ausgezeichnet wurde. Vor etwa zwei Jahren hat sich Stephan mit Doris Kulossa, der reaktionsschnellen Flötenbauerin aus dem Hause Moeck, einen personifizierten Innovationsschub in die Werkstatt geholt, und so ist es eine unausweichliche Folge, dass beide in wechselseitiger Anregung die Modell- und Ideenvielfalt in Sachen Blockflötenentwicklung unbeirrt nach vorn treiben.

Dieses Mal ist ihr Stand im Ibach-Haus ein „communication-point” rund um die Blockflöte: Tips, Einschätzungen, Ideen, Begutachtung, Beratung – als auf alles eingespieltem Duo ist ihnen keine Sorge oder Frage fremd, die den Umgang mit der Blockflöte berührt. Darüber hinaus werden gegen Vorlage der Eintrittskarte zum Konzert kleinere Eingriffe an mitgebrachten Besucherflöten kostenlos durchgeführt.

 
Unabhängig vom Konzertbesuch besteht für Blezinger-Kunden des Ibach-Hauses die Gelegenheit, auch außerhalb der gewährten Garantie die entsprechenden Instrumente nachsehen und kostenfrei überholen zu lassen, soweit dies vor Ort möglich ist.

11.00 - 14.00

 

Markus Zahnhausen unterrichtet

Wenn ein weiter Horizont, unverstellt von Bäumen, Büschen oder Felsen, nicht nur dem entspannten und unvoreingenommenen Blick zugute kommt, sondern das, was ins Augenfeld gerät, in überscharfer Differenzierung enthüllt – dann bedeutet Markus Zahnhausens intellektuelle wie ästhetische Reichweite für die Blockflötenszene eine ganz ähnliche Erfahrung. Inspiriert vom Studium der Slawistik und dem engen Kontakt zu russischen Komponistenkollegen, involviert in die ästhetischen Möglichkeiten tonal zeitgenössischer Musik überhaupt und angetrieben vom Impuls, die Blockflöte in ihren noch unausgeschöpften Möglichkeiten aus dem selbstgeschaffenen Ghetto heraus mitzubegleiten, hält er dem gängigen Blockflötenalltag freundlich und immer konstruktiv den Spiegel vor: Als originär Produzierender, als professioneller Flötist und anerkannter Komponist, bringt er unverzichtbare Einsichten abseits eingefahrener Wege mit, die es für den reproduktiven Umgang, für Interpretation also, zu nutzen gilt.

Ein ausführliches Interview mit Markus Zahnhausen ist über early music im Ibach-Haus beziehbar.

Wir bieten daher alternativ zwei Workshops mit Markus Zahnhausen an, aus denen Sie auswählen können. Unmittelbar nach Anmeldeschluss erhalten Sie Auskunft darüber, welcher der beiden Kurse stattfinden wird und welcher auf die kommende Saison verschoben wird:


 
 

Telemanns Fantasien: Wunderwelt barocker Form und barocken Denkens – Neue Blickwinkel auf einen Klassiker der Flötenliteratur.
 
Zahnhausen unterrichtet Zahnhausen.



In beiden Workshops geht es darum, an ausgewählten Details einzelner vorbereiteter Stücke jeweils auch den Kosmos des Ganzen in den Horizont zu nehmen. So verbindet sich die konkrete Arbeit an der einzelnen Phrase mit übergreifenden Erläuterungen zu Werk und Umfeld, aber auch zur Technik des Blockflötenspiels.

aktiv: 30,- €
passiv: 15,- €

Anmeldeschluss 1. April.
15.00   Preziosen Zeitgenössischer Blockflötenmusik.
Exquisites und Formidables aus meinem
Phonoarchiv, mit Markus Zahnhausen
 „Komponiere Musik, wie Du sie selbst gerne hören möchtest, ganz egal, ob sie Dir Ruhm und Geld bringt.” (Witold Lutoslawski) – „Zahnhausen versucht eine Musiksprache zu finden, welche die klanglichen Möglichkeiten der Blockflöte idiomatisch voll ausnutzt, ohne dabei technische Experimente zum eigentlichen Inhalt der Musik werden zu lassen.” (Markus Bartholomé)
 
Beide Zitate, das Credo Zahnhausens und die Kurzcharakteristik eines seiner Interpreten, beleuchten schlagwortartig, in welcher Weise der Komponist Markus Zahnhausen sich – übrigens auch als engagierter Herausgeber zeitgenössischer Kompositionen – einer Musik von heute verpflichtet fühlt, die den instrumentalen Wohllaut nicht der selbstzweckhaften Klangverfremdung opfert, ja die sich selbst, Wahrheit und Seelenruhe noch zusammen zu denken, zusammen zu empfinden wagt. So steht eine Reise bevor durch viel zu selten betretene Provinzen einer zeitgenössischer Musik, die nicht vordergründig spektakulär ist, sondern mit dem Zuhörer in zarten Kontakt treten will.

16.30

  Konzert:
Marion Verbruggen, Anneke Boeke
    Fantasien, Chansons, Concerts, Duette und Sonaten von der Spätrenaissance in England und Holland über deutsch-französische Klänge des Barock bis hin zu den Bach-Söhnen für nicht weniger als zwei ineinander verwobene Blockflöten.
 
 
Start • 2003/2004 • 5. Blockflötentag - 24.04.2004
 
 
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